• Wickel und Umschläge

    Diese Form der Therapie vereinigt chemische, mechanische und thermische Reizstimulation in einem und gestattet vielfach eine intensivere Tiefenwirkung als eine Massage allein. Diese durch alle Gewebsschichten penetrierende Effizienz macht Wickel und Umschläge zu einem wesentlichen und einfach  anzuwendenden Bestandteil der Naturheilkunde.

    Sinn und Zweck dieser milden Reiztherapie ist je nach Bedarf:
    • Kühlung oder Erwärmung,
    • Schmerzlinderung,
    • Abbau einer Entzündung und der damit verbundenen Schwellung,
    • Fiebersenkung,
    • Wundheilung und Heilung von Hautausschlägen,
    • Regulierung des vegetativen Nervensystems.

    Zunächst gilt es zu klären, ob kalte oder warme, ob nasse oder trockene Anwendungen angebracht sind. Individuell werden thermische Reize sehr unterschiedlich empfunden. Prüfen Sie daher vorher, ob Ihr Hund mit Ihrem Hilfsangebot einverstanden ist!

    Wie sieht nun die Praxis aus?

    Einzelne Körperteile werden in ihrem gesamten Umfang mit einem feuchten Leinentuch und einem trockenen Wolltuch umwickelt. Prießnitz-Wickel bestehen aus einem möglichst groben Leinentuch und einem Wolltuch, Kneipp-Wickel beinhalten zwischen diesen beiden Tüchern ein trockenes Baumwolltuch. Dadurch geschieht das Abdunsten langsamer und gleichmäßiger.

    Kalte Wickel

    Sie werden in frischem, kaltem Wasser zubereitet:

    • Der Wärme entziehende kalte Wickel ist recht nass, bleibt nur kurze Zeit liegen und wird nötigenfalls erneuert.
    • Der Wärme stauende kalte Wickel wird stark ausgewrungen und bei beginnender Dunstbildung nach ca. 45 bis 75 Minuten abgenommen.
    • Der Schweiß treibende kalte Wickel wird sehr stark ausgewrungen und bleibt bis zur eintretenden Schweißbildung liegen.

    Anwendung: Fieberhafte Erkrankungen, lokales Entzündungsgeschehen im Bereich der Muskeln, der Lymphgefäße, der Haut und Unterhaut, Prellungen, Verrenkungen, Verstauchungen, Blutergüsse und Gelenksentzündungen.

    Heiße Wickel
    Sie werden in heißem Wasser angewärmt und danach gut ausgewrungen. Die Wickel bleiben solange liegen, wie sie noch als warm empfunden werden (ca. 40 Min.).

    Anwendung: als beruhigender Leibwickel bei Entzündungen des Eierstocks, des Eileiters oder der Gebärmutter, Entzündungen und Schmerzen im Bereich des Darms, der Leber, der Nieren und der Harnblase, bei Koliken in diesen Organen, chronischen Entzündungen der Muskeln und Sehnen, Arthritis und Arthrose, bei Abszessen und Flegmonen.

    Auflagen, Kompressen, Pflaster
    Ganz allgemein versteht man darunter das Auflegen eines warmen oder kalten Tuches auf einen Körperteil, wobei das Ganze mit einem Wolltuch bedeckt wird.

    Ein Leinentuch wird in kaltes Wasser (ca. 18 Grad Celsius) oder warmes (ca. 40 Grad Celsius) Wasser getaucht, gut ausgewrungen, mehrfach zusammengefaltet und aufgelegt. Darüber legt man ein Wolltuch.

    Kalte Auflagen werden erneuert, sobald sie warm sind, warme werden erneuert, sobald sie kalt werden. Die Indikationen sind ähnlich denen der Wickel.

    Der Kartoffelsack: Die Kartoffeln werden in der Schale gekocht, heiß in ein Leinentuch gefüllt und darin zu einem Brei gepresst. Darüber kommt ein trockenes Tuch. Dieses hilft bei Magen – Darm-Krämpfen, Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen, Entzündungen der Analbeuteldrüsen.

    Die Leinensamenkompresse: Eine Handvoll Leinensamen wird unter ständigem Rühren zu einem dicken Brei verkocht. Dieser wird auf ein Leinentuch aufgestrichen und eingeschlagen aufgelegt, das trockene Tuch kommt wie immer darüber. Eignet sich gut bei kleineren Hautübeln wie Abszess- und Furunkelreifung, Zahnschmerzen, Kieferhöhleneiterung, Analbeutelentzündung usw.

    Die Sauerkrautauflage: Sauerkraut wird direkt auf die entsprechenden Körperteile gelegt und umwickelt. Die Auflage wird halb- bis einstündlich erneuert. Hautabschürfungen und Brandwunden, oberflächliche Entzündungen sind hier die Indikationen.

    Die Lehmpackung: Ist die Haut unverletzt, kann man zur Not auf gewöhnlichen Lehm oder Töpferton zurückgreifen. Ansonsten legt man Heilerde auf. Diese wirkt herrlich kühlend, reinigend, ausleitend und entzündungshemmend sowie abschwellend. Heilerde wird mit oder ohne Essigzusatz in kaltem oder auch heißem Wasser zu einem dicken Brei verrührt. Dieser Brei wird dick auf einen Leinenlappen gestrichen. Darüber folgen gewöhnlich ein sauberer Verband und eine trockene, warme Umwicklung. Nach 2 bis 3 Stunden wird die Heilerde trocken und fällt beim Abnehmen gut ab.

    Heilerde ist vielseitig verwendbar: bei alten, schlecht heilenden Wunden, Insektenstichen, juckenden Ekzemen, oberflächlichen Geschwüren, Entzündungen im Bereich der Venen und Lymphgefäße.

    Heiße Lehmpackungen unterstützen den Heilvorgang bei chronischen Gelenk-entzündungen, Rheuma und Wirbelerkrankungen.

    Das Honigpflaster: Honig wird wie Salbe auf einen Leinenlappen gestrichen, auf die kranke Stelle gelegt und mit einem wollenen Tuch verbunden. Das Pflaster wird etwa 2-stündlich erneuert. Hilfreich bei Weichteilrheumatismus und Bindegewebsablagerungen.

    Bei Geschwüren wird ein Honigpflaster aus gleicher Menge Honig und Mehl 3 bis 4 mal täglich ca. 5 bis 10 Minuten unter Zusatz von etwas Wasser bereitet. Dieses Pflaster wird auf die Wunde gelegt, die damit nicht nur gekühlt, sondern auch gereinigt wird.

    Galina Roth

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